Wissen schafft Heilung.

 

Durchgangsarztverfahren

In der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie werden alle Arten von Arbeitsunfällen behandelt.

Als Arbeitsunfall ist die Verletzung oder Erkrankung definiert, die im Rahmen einer rechtlich versicherten Tätigkeit auftritt (Sozialgesetzbuch SGB VII). Dabei ist auch der Weg von und zu der Arbeit versichert ("Wegeunfall"). Die Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen des Bundes und der Länder und die Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften treten in diesen Fällen als Unfallversicherungsträger ein.

An unserer Klinik werden ca. 3000 Arbeitsunfälle pro Jahr behandelt. Bei einigen dieser Unfälle handelt es sich um minderschwere Verletzungen (z.B. kleinere Schnittwunden), die der „allgemeinen Heilbehandlung“ unterliegen. Die weiterführende ambulante Weiterbehandlung kann durch einen Allgemeinarzt erfolgen.
Bei höhergradigen Verletzungen (z.B. Knochenbrüchen) und Verletzungen tritt die "besondere Heilbehandlung" in Kraft. In diesen Fällen muss die Behandlung durch einen D-Arzt (ein von den Berufsgenossenschaften beauftragter und zugelassener Facharzt aus dem Gebiet der Unfallchirurgie) geführt werden. Jeder Arbeitsunfall und die entsprechende weiterführende Behandlung wird im sog. Durchgangsarzt-Bericht dokumentiert und an den zuständigen Versicherungsträger weitergeleitet.

Schwere Verletzungen, die im Rahmen der Arbeit auftreten, unterliegen dem sog. „Verletzungsartenverzeichnis - VAV“ (siehe unten). Dabei sind Verletzungen und Erkrankungen festgelegt, die aufgrund der Schwere bzw. der komplexen Nachbehandlung nur von unfallchirurgisch qualifizierten Ärzten in personell und apparativ besonders ausgestatteten Einrichtungen behandelt werden dürfen. Um die bestmögliche Versorgung der Unfallversicherten zu gewährleisten, können zusätzlich Spezialisten anderer Fachdisziplinen jederzeit hinzugezogen werden.

Die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Klinikums rechts der Isar hat die Zulassung zur Teilnahme am Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV) der gesetzlichen Unfallversicherung erhalten. Unfallverletzte mit schwersten Verletzungen, benötigen eine sofortige besondere unfallmedizinische Behandlung und müssen gemäß § 34 SGB VII in speziellen SAV-Kliniken behandelt bzw. vorgestellt werden. Die hohen personellen, apparativen und räumlichen Anforderungen zur Teilnahme am Schwerstverletzungsartenverfahren werden vom Klinikum rechts der Isar erfüllt. Die Patientenzuweisung richtet sich dabei nach dem Verletzungsartenverzeichnis. Hierin ist geregelt, welche Fälle ab dem 01.01.2014 dem Schwerstverletzungsartenverfahren zuzuordnen sind.

Hintergrund: Die stationären Heilverfahren in der gesetzlichen Unfallversicherung wurden zum 01.01.2013 neu strukturiert und sind nach einer Übergangsfrist ab dem 01.01.2014 dreistufig wie folgt gegliedert:

  1. Stationäres Durchgangsarztverfahren (DAV):
    Unfallverletzte, die einer stationären Behandlung bedürfen
  1. Verletzungsartenverfahren (VAV):
    Unfallverletzte mit bestimmten schweren Verletzungen
  1. Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV):
    Unfallverletzte mit schwersten Verletzungen

In unserer BG-Sprechstunde werden entsprechende Behandlungskonzepte erstellt und die konsequente Nachbetreuung der Unfallversicherten durch Einleitung rehabilitativer Maßnahmen (z.B. BGSW - Berufsgenossenschaftliche Stationäre Weiterbehandlung) und physiotherapeutischer Behandlungen gewährleistet.